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Stell dir vor, er wäre hier!

Alle Fotos: Copyright ©anja koehler

Stell dir vor, es ist Krieg – nicht irgendwo weit weg, sondern hier, mitten in Europa. Das Junge Theater Rosenheim führte 2025 im Klassenzimmer ein Theaterstück auf.

Theater? Im Klassenzimmer? Ohne Bühne, ohne Vorhang? Interessant, dachten wir uns – und dann war es schnell organisiert: Der Schauspieler Yannick Zürcher kam mit einigen interessanten Requisiten, die effektvoll die spannende Inszenierung und sein energiegeladenes Spiel unterstützten, ins Klassenzimmer – vom ersten Moment an herrschte gespannte Ruhe im Raum. Mit Gasmaske, Helium-Ballon und Ziehharmonika schnaufte, schlich und schrie der Erzähler durch die gedachte Welt im Kriegszustand, schickte die Zuschauer auf die Fluchtreise in, ja in den Nahen Osten, nach Ägypten ins Flüchtlingslager, wo sie, nämlich die Schülerinnen und Schüler, sich in ihrer Vorstellung mit dem Verlust von Familienangehörigen, mit Hunger und Angst, mit Aussichtslosigkeit und Sehnsucht nach „daheim“ auseinandersetzen mussten. Und dann – wie ist es, zurückzukehren in ein Land, in dein Land, in dem Fremde die Macht übernommen haben?

„Stell dir vor, …“.

Yannick Zürcher war der Schauspieler, der Erzähler, der immer die Schülerinnen und Schüler direkt ansprach, auf ihre Reaktionen achtete und dann adäquat improvisierte. Sein sehr körperliches und stimmgewaltiges Spiel erzeugte Eindrücke, die Emotionen auslösten, Erschrecken, Wut über „das ewige ‚Ich bin besser blablabla’“, so die zornig-hilflosen Worte einer Schülerin bei der Nachbesprechung. Yannick Zürcher und Hannah Bobka vom Jungen Theater Rosenheim führten sensibel und behutsam, aufgeschlossen und ohne didaktischen Auftrag durch das Gespräch. Das war wichtig nach dem Kriegs-Flucht-Lager-Szenario, das die Zuschauerinnen und Zuschauer der achten und neunten Klasse durchlebt hatten.

Ein Theatererlebnis der besonderen Art. Unbedingt MEHR davon!

Sabine Simmendinger

Journalismus macht Schule

Schuljahr 2024/25: Die Journalistin Birgit Meißner besuchte im Auftrag des Bündnisses „Journalismus macht Schule“ die 9c. Ziel ihrer und zahlloser anderer Schulbesuche durch Vertreterinnen und Vertreter aus Redaktionen, Journalistenschulen und Universitäten im gesamten Bundesgebiet ist es, gemeinsam mit den Lehrkräften die Schülerinnen und Schüler zu „kompetenten Akteur:innen in der demokratischen Öffentlichkeit zu machen“.

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TextSlam 2024: Ein Umschlag voller Träume

Der TextSlam 2024 der 10. Klassen in diesem Jahr stand unter dem Motto "Perspektiven“. Ein Schüler der 10. Klasse hat mit seiner kreativen und bewegenden Weihnachtsgeschichte die Tür zu neuen Blickwinkeln – vielleicht für uns alle – geöffnet.

Holger Dusch

Ein Umschlag voller Träume – Kinderwünsche an den Weihnachtsmann

Ich liege hier, in einem kleinen Umschlag, sorgfältig gefaltet und mit krakeligen Buchstaben beschriftet: „An den Weihnachtsmann“. In meinem Inneren trage ich Träume und Wünsche, so rein und unschuldig, dass sie mich fast zum Bersten bringen. Ein kleiner Junge hat mich geschrieben. Seine Hände zitterten ein wenig, als er den Stift hielt. „Lieber Weihnachtsmann“, begann er, und ich spürte die Wärme seiner Hoffnung in jedem Buchstaben. Er wünscht sich ein Spielzeugauto, eines, das schneller fährt als alles andere, weil er später Rennfahrer werden will.

Ein anderes Mal spürte ich, wie das Papier ein wenig feucht wurde, als ein Mädchen mich schrieb. Ihre Tränen hinterließen unsichtbare Spuren. „Ich wünsche mir, dass Mama wieder lacht“, schrieb sie. Kein Spielzeug, kein Glitzer, nur das. Ihr Herz pocht in mir, und ich hoffe, dass der Weihnachtsmann diese Wünsche genauso ernst nimmt wie die glänzenden Päckchen.

Doch die meisten Briefe sind voller kindlicher Freude und Hoffnung. Da ist ein Junge, der in großen Buchstaben schrieb: „Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche mir einen Fußball und ein Trikot von meiner Lieblingsmannschaft! Ich will so gut werden wie die Profis und mit meinen Freunden draußen spielen.“ Seine Worte sprühen vor Begeisterung. Ich spüre seine Vorfreude darauf, Tore zu schießen, Jubelrufe zu hören und sich mit strahlendem Gesicht auf die Schulter klopfen zu lassen. Solche Wünsche tragen eine Leichtigkeit, die mich strahlen lässt.

Ein weiterer Brief ist von einem Mädchen mit großen Träumen: „Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche mir ein großes Malset, damit ich ganz viele Bilder malen kann.“ In der Ecke des Papiers hat sie ein kleines Herz gemalt, und ich kann förmlich sehen, wie sie lächelte, während sie ihre Zeilen schrieb. „Ich male am liebsten Blumen und Sonnenuntergänge. Später möchte ich Künstlerin werden.“ Ihr Brief ist voller bunter Fantasien und Träume, die sie in jedem Pinselstrich zum Leben erwecken will.

Aber was ist eigentlich mein Traum? Mein größter Traum ist es, die Wünsche aller Kinder dieser Welt zum Weihnachtsmann zu bringen. Denn ich bin mehr als nur Worte auf Papier. Ich bin eine Brücke zwischen Fantasie und Realität, zwischen Glauben und Warten. Ich bin die Stimme der Kleinsten, die mit großen Augen in den Himmel blicken und hoffen, dass ihre Worte ankommen.

Bald werde ich in einen großen Sack geworfen, zusammen mit Tausenden anderen wie mir. Doch ich weiß, dass ich einzigartig bin, denn in mir lebt ein ganz besonderer Traum. Und während ich meine Reise antrete, trage ich die Hoffnung, dass ein Herz irgendwo dort draußen diese Wünsche hört und sie wahr macht.

Anton Prentl

TextSlam 2024: Perspektiven lebendig gemacht!

Was haben ein Baum, der über die Klimakrise sinniert, eine historische Figur im Tagebuchformat und die humorvollen Geschichten eines Hasen gemeinsam? Sie alle waren Teil des diesjährigen TextSlams 2024 der Klassen 10a und 10c.

Der Slam stand ganz im Zeichen des diesjährigen Schulmottos "Perspektiven" – und genau das haben die meisten Schülerinnen und Schüler in ihren Texten auf beeindruckende Weise eingefangen. Von tiefgründigen Überlegungen bis zu fantasievollen Erzählungen: Die Vielfalt der Ideen war schier grenzenlos. Die Teilnehmenden zeigten, wie kreativ und individuell sie sich mit ihrer jeweiligen Thematik auseinandersetzen konnten. Doch damit nicht genug: Beim Slam selbst wurden die Texte nicht einfach nur vorgelesen – sie wurden gelebt und lebendig präsentiert! Mit einer starken Mimik, einer tollen Stimm-Intonation, einer ausdrucksvollen Gestik und sogar mit musikalischen Elementen zogen die meisten Vorträge das Publikum in ihren Bann. Die Bühne wurde zum Ort, an dem der Mut und die Kreativität die Slammerinnen und Slammer gleichermaßen begeisterten. Noch einmal ein ganz großes Lob an all diese! Ihr habt gezeigt, dass eure mannigfaltigen Gedanken, eure Kreativität & eure Fantasie sowie euer reflektiertes Denken eine enorme Wirkung haben können.

Der TextSlam 2024 hat eines deutlich gemacht: Perspektiven sind vielfältig, kreativ – und manchmal überraschend. Herzlichen Dank noch einmal an alle, die diese Unterrichtsstunden zu einem echten Highlight gemacht haben!

Holger Dusch

Klassenzimmer-Theater: "Kohlhaas" begeistert!

Am 27. November 2024 bot das Junge Theater Rosenheim den Schülerinnen und Schülern der Klassen 10a und 10c ein beeindruckendes Klassenzimmer-Theatererlebnis mit dem Stück "Kohlhaas" nach Heinrich von Kleist. Gespielt wurde die Inszenierung von nur zwei Schauspielern, die mit großem Talent in zahlreiche Rollen schlüpften und den Klassiker auf eine moderne und fesselnde Weise zum Leben erweckten.

Die Bearbeitung von "Kohlhaas" konzentriert sich auf die zentralen Fragen von Gerechtigkeit, Selbstjustiz und den Umgang mit Ungerechtigkeit – Themen, die auch heute nichts von ihrer Relevanz verloren haben. Besonders die Intensität des Spiels und die reduzierte Inszenierung ohne aufwändiges Bühnenbild oder Kostüme lenkten den Fokus ganz auf die kraftvolle Darbietung und die tiefgründige Botschaft des Stücks.

Nach der etwa 50-minütigen Aufführung folgte ein ebenso spannendes Reflexionsgespräch, das die Schauspieler selbst leiteten. Sie regten die Schülerinnen und Schüler dazu an, über zentrale Fragen des Stücks nachzudenken: Was ist Gerechtigkeit? Wo verläuft die Grenze zwischen Zivilcourage und Selbstjustiz? Und wie lässt sich Gewalt vermeiden, ohne Ungerechtigkeit hinzunehmen? Die Diskussion war lebhaft und zeigte, dass die Jugendlichen die Themen auf ihr eigenes Leben übertragen konnten.

Ein besonderes Lob gebührt den Schauspielern, die mit ihrer eindringlichen und vielseitigen Darstellung nicht nur unterhielten, sondern auch tief berührten und Denkanstöße lieferten. Die aktualisierte Inszenierung von "Kohlhaas" hat gezeigt, wie zeitlos Kleists Werk ist und wie wichtig es ist, sich mit den großen Fragen von Recht und Moral auseinanderzusetzen. Wir danken dem Jungen Theater Rosenheim für dieses inspirierende Erlebnis und freuen uns auf zukünftige Besuche!

Holger Dusch

Klasse 5a im Glück

Theaterbesuch statt Deutschunterricht: Die Klasse 5a besuchte im Rahmen des Deutschunterrichts am Montagvormittag, dem 08.07.24, das Junge Theater in Rosenheim am Ludwigsplatz. Die Schülerinnen und Schüler waren von der kurzweiligen und fesselnden Aufführung "Hans im Glück" sehr begeistert. Im Anschluss durften sie die Schauspieler/innen zur Umsetzung und Deutung befragen und es entstand eine rege Diskussion über die Frage nach dem Glück. Deutschunterricht mal anders.

Christoph Pöllinger

Blackout Poetry

Im Rahmen des Deutschunterrichts gestalteten Schülerinnen und Schüler der Klasse 11a kreative Texte zum Thema Flucht, indem sie nach der Methode der blackout poetry zunächst einen eigenen Text verfassten, im Anschluss daran einzelne Textbausteine schwärzten und die verbliebenen Bausteine vor einem geeigneten visuellen Hintergrund anordneten. Was dabei entsteht? Versteckte Botschaften, anregende Impulse, aufrührende Gedanken – und eine Auseinandersetzung mit einer elementaren menschlichen Erfahrung. Hier einige Beispiele:

  • Emil
  • Oscar
  • Pauline
  • Lotte
  • Virginia

Goethes Faust am Landestheater Salzburg

Ein moderner Klassiker begeistert die Q12 — Am 21. März 2024 erlebten die Oberstufenschülerinnen und -schüler in Salzburg eine beeindruckende Aufführung von Goethes "Faust", inszeniert von Carl Philip von Maldeghem. Diese moderne Interpretation brachte das zeitlose Werk, das die Suche des Menschen nach Erkenntnis thematisiert, eindrucksvoll auf die Bühne. Gregor Schulz überzeugte besonders in der Rolle des Mephisto und verlieh der Figur eine tiefe Präsenz. Maldeghems Inszenierung zeigte eindrücklich, dass "Faust" auch heute noch aktuell ist und die menschliche Sehnsucht nach Wissen und Erfüllung universell bleibt. Die Aufführung war ein kulturelles Ereignis, das klassische Literatur für ein modernes Publikum aufbereitete und den Zuschauenden einen unvergesslichen Abend bescherte.

Theaterfahrt der 10. Klassen

Carolin Musselmann, 10a

Im Januar besuchten die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen das Theaterstück "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" im Münchner Volkstheater.

Es geht in Heinrich Bölls Werk um eine junge Frau, Katharina Blum, die beschuldigt wird, ihrer Karnevalsbekanntschaft, einem Schwerverbrecher, zur Flucht verholfen zu haben. Dadurch wird das Interesse der Medien an ihr geweckt. Die ZEITUNG, die Tatsachen vereinfacht und verfälscht darstellt, zeichnet von Blum ein sehr negatives Bild, ihr wird sogar der Tod der Mutter durch ihr angeblich unmoralisches Verhalten angehängt. Blum erhält beleidigende und obszöne Anrufe von verschiedenen Personen, fühlt sich beobachtet und den Medien ausgeliefert. Sie findet nur noch einen Ausweg: Sie erschießt den aufdringlichen Reporter der ZEITUNG. Dadurch wird Blums öffentliches und mediales Bild bestätigt, die Unterstellungen in den Medien haben sie zu einem anderen Menschen gemacht.

Man kann auch deutliche Parallelen zur heutigen Zeit ziehen: Die Medien liefern manchmal ein völlig verfälschtes Bild einer Person. Durch Sensationsgier und auch Mobbing in den sozialen Netzwerken kann sich ein Mensch sehr verändern, daher muss man sich immer wieder die Frage stellen: Welche Auswirkungen hat das eigene mediale Bild auf unsere Persönlichkeit?

Corinna Peter, 10a

"Hitler bedeutet Krieg"

Raphaela Höfner in der Aula des Ignaz

Dieser Satz beschreibt sehr genau die Problematik der Romantrilogie "Familienschicksale im Dritten Reich" von Raphaela Höfner.

Die Rosenheimer Autorin war im Juli zu Gast am Ignaz und las den Schülerinnen und Schülern der 8. und 10. Klassen aus dem ersten Band "Von Liebe und Hoffnung" vor. Sehr eindrucksvoll schilderte sie dabei die persönliche Situation zweier befreundeter Familien unter dem NS-Regime. Zum besseren Verständnis ging sie dabei auch auf die geschichtlichen Hintergründe ein. Besonders authentisch und anschaulich wurde ihr Vortrag durch zahlreiche Gegenstände, die Raphaela Höfner aus dem Besitz ihrer Großeltern mitgebracht hatte und die nach der Lesung Anlass zu Nachfragen und einem vertiefenden Gespräch boten.

Die Ratten und das Glück

Kreativität im Klassenzimmertheater! — Im Herbst 2022 durfte die Klasse 5c etwas ganz Besonderes erleben: Drei Mitglieder des Jungen Theaters Rosenheim kamen zu uns ins Klassenzimmer, um uns ihr Stück "Der Rattenfänger von HÄH?" noch vor der Premiere vorzustellen. Darin wird das bekannte Grimm'sche Märchen "Der Rattenfänger von Hameln" aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt: der des Rattenfängers, der Bürgermeisterin und der Ratte, die natürlich einen völlig unterschiedlichen Blick auf die Geschehnisse werfen. Livia Schoeler (Schauspielerin und Theaterpädagogin), die alle drei Figuren wunderbar lebendig werden ließ, Ludwig zur Hoerst (Dramaturg) und Florentine Klepper (Regisseurin) besprachen im Anschluss an die Vorstellung mit den Schülerinnen und Schülern, wie es zu diesen verschiedenen Ansichten kommen konnte und vermittelten dabei spielerisch den Prozess der Meinungsbildung.

Doch damit nicht genug: Im Frühjahr besuchte uns ein weiteres Mitglied des JTR, Andreas Schwankl, der mit der Klasse 5c einen zehnstündigen Theaterworkshop zum neuen Stück "Hansi’m Glück" durchführte, der von der Sparkassenstiftung Rosenheim finanziert wurde. Theaterpädagogische Spiele, kreative Schreibaufgaben und das Erarbeiten kleiner Szenen erlaubten den Kindern einen Blick in die faszinierende Welt des Schauspiels. Die Ergebnisse sollen in die endgültige Fassung des Stücks einfließen. Basierend auf Motiven des (fast) gleichnamigen Märchens der Brüder Grimm wird es darum gehen, was Glück ist und was uns glücklich macht. In diesem Sommer kommt "Hansi’m Glück" auf die Bühne. Wir sind schon sehr gespannt!

Verena Bauer

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland …

Another giant peach ... pear!

… wer kennt es nicht, das berühmte Gedicht von Theodor Fontane. Aber wer hat denn schon einmal einen "echten" Herrn von Ribbeck kennengelernt?

Dieses Glück hatten unsere Fünftklässlerinnen und Fünftklässler, denn mit Dietrich von Ribbeck kam ein Nachfahre der berühmten Balladenfigur ans Ignaz. Der ehemalige Kunstlehrer hatte viele Bilder dabei. Er zeigte und erzählte den Kindern sehr eindrucksvoll, wie man sich das damalige Ribbeck, seine Bewohner und ihr Leben dort vorstellen kann und wie es sich bis heute verändert hat. Sogar die spannende Frage, was aus dem legendären Birnbaum geworden ist, konnte geklärt werden.

Aber auch die fünften Klassen hatten sich auf diesen Besuch vorbereitet: In einem fächerübergreifenden Projekt besprachen sie das Gedicht in den Deutschstunden und gestalteten dann im Kunstunterricht einzelne Motive dazu (s. Bilder!).

Szenische Lesung "Der Sandmann" von E.T.A Hoffmann

Foto: Johanna Schubert

Mittwochmorgen, 8 Uhr. Ein hochgewachsener Mann steht auf der Bühne der dunklen Aula, um ihn herum drei Stühle. Obwohl alle wissen, worum es geht, trifft der Beginn alle unerwartet: Es scheint, als würde der Schauspieler Reimund Groß von seiner eigenen traumatischen Kindheit berichten und nicht von der einer literarischen Figur. Verzweifelte Ausrufe, eindrucksvolle Sprünge zwischen verschiedenen Charakteren, emotionales Auf und Ab. All das wurde uns geboten und machte den erzählten Text – den wir schon fast auswendig konnten – auf eine ganz andere Art lebendig. Die kommentierende Art des Erzählers, Claras eigentlich gut gemeinter Trost, der ihren Verlobten durch die kühle Rationalität tief verletzt, und Nathanaels stetige mentale Abwärtsspirale durften wir wie im Theater erleben und es schien zu keinem Zeitpunkt so, als wäre nur eine Person auf der Bühne. Die interessanten Eindrücke und Einblicke in die Arbeit, die in einer solchen Aufführung und deren Vorbereitung – insbesondere dem Lernen des Textes – steckt, rundeten diese gelungene Vorführung am 25. Mai 2022 für die Deutschkurse der Q11 noch ab. Das Fazit in einem Wort: Wow.

Xenja Steffen, Q11

"Kohlhaas" mit dem JUNGEN THEATER ROSENHEIM

Quelle: JUNGES THEATER ROSENHEIM

Eine kleine, feine Runde, zwei Rosenheimer Schauspieler, ein Stück mit erschreckendem Zeitbezug – ein ganz aufmerksamer Deutschkurs durfte am Mittwoch vor den Pfingstferien (1. Juni 2022) Zuschauer sein für eine sechzigminütige Aufführung eines Stücks des JUNGEN THEATERS ROSENHEIM nach der Novelle Michael Kohlhaas von Heinrich von Kleist.

Kleists Novelle nimmt eine wahre Begebenheit auf, die sich im 16. Jahrhundert ereignete. Dem realen Michael Kohlhase, einem Kaufmann, wurden auf seiner Reise nach Leipzig unrechtmäßig zwei seiner Pferde abgenommen. Nachdem ihm eine Anklage verwehrt worden war und seine Frau, die sich für eine Anhörung Kohlhases eingesetzt hatte, starb, kannte seine Wut keine Grenzen mehr. In einem blutigen Rachefeldzug brannte er auch Häuser in Wittenberg und Leipzig nieder. Am 22. März 1540 wurde er in Berlin hingerichtet.

Das JUNGE THEATER ROSENHEIM inszenierte diese Novelle fesselnd und zugleich bedrückend. Die brandaktuelle Frage nach Machtwillkür und angemessener Reaktion darauf lag förmlich in der Luft. In der anschließenden Gesprächsrunde ergaben sich viele Anknüpfungspunkte dieses 200 Jahre alten Werkes und seiner 400 Jahre alten Historie zu Ereignissen, die uns alle berühren: von George Floyd über Bevorteilung von privilegierten Menschen bis hin zum Krieg in der Ukraine.

Eine wesentliche Frage blieb am Ende im Raum schweben: Gibt es im Rückblick einen Punkt, an dem die Eskalation hätte aufgehalten werden können? Anders gefragt: Muss man Ungerechtigkeit hinnehmen, um nicht auf eine Katastrophe zuzusteuern?

Folgende Info geben wir gerne an Euch weiter: Das JUNGE THEATER ROSENHEIM bietet Workshops für Theaterinteressierte an, immer dienstags um 19.30 Uhr – bis 27 sogar kostenfrei!

Natalia Lobe