KIgnaz

Seminararbeiten im KI-Zeitalter

Seminararbeiten? Eine Arbeit von ca. 15 Seiten, die man zu Hause schreibt? Kann das nicht längst jedes KI-Tool? O ja! Ein gutes KI-Tool, vielleicht nicht gerade ein kostenloses, kann das inzwischen recht gut.

Sind dann Seminararbeiten nicht sinnlos? Natürlich üben unsere Oberstufler den Umgang mit KI-Tools auch im W-Seminar. Sie sollen ja lernen, wissenschaftlich zu arbeiten. Und in der Wissenschaft hat man sich schon immer aller Hilfsmittel bedient, die verfügbar waren: Bücher, Messinstrumente, Rechner, Computer - oder eben KI. Aber die ganze Seminararbeit einfach von einer KI schreiben lassen? Die allermeisten Schülerinnen und Schüler würden das gar nicht wollen, weil sie sich für ihr selbstgewähltes Thema wirklich interessieren und gerne selber etwas darüber schreiben möchten, zumal sie die Ergebnisse am Ende ja auch in einem Prüfungsgespräch präsentieren und verteidigen sollen. Außerdem käme die KI auch gar nicht sehr weit:

In unserem W-Seminar Geschichte untersuchen die Jugendlichen die „Geschichte und Zukunft Rosenheimer Handwerksbetriebe“. Wie sich ein Rosenheimer Handwerksbetrieb die Zukunft vorstellt oder sich darauf vorbereitet, da könnte ein KI-Tool nur etwas zusammenfantasieren. Da haben unsere Schülerinnen und Schüler eher das ein oder andere Interview in Planung. Und was die Geschichte angeht: Da kann ein KI-Tool helfen, einen Überblick zu gewinnen, Begriffe zu klären oder ein Dokument auszuwerten.

„Etliche Quellen sind aber gar nicht online zugänglich.“ erklärt uns Christian Höschler, der Leiter des Stadtarchivs. Bei einer kleinen Exkursion hat er uns sehr anschaulich gezeigt, was das Archiv alles an Büchern, Akten oder Fotos oder zu bieten hat.

Und dass die Schülerinnen und Schüler am Ignaz sogar KI-Workshops bekommen? „Großartig!“ findet das der Leiter des Stadtarchivs. Selbstverständlich arbeitet das Archiv auch mit KI-Tools.

Open-media-Prüfungen

Man stelle sich vor: Man liegt auf einem OP-Tisch, das OP-Team steht bereit, die Chancen stehen gut. Da betritt der Chefarzt den Raum und sagt streng: „Leute, ab jetzt kein Wort mehr miteinander! Und alle technischen Hilfsmittel sind strengstens verboten!“

Was in unserer Lebens- und Berufswelt undenkbar wäre, ist in der Schule Standard. Bei Prüfungen ist es in der Regel streng verboten, miteinander zu kommunizieren oder technische Hilfsmittel zu benutzen. Das ist auch sehr sinnvoll. Trotzdem: Wenn wir unsere Schülerinnen und Schüler auf ihre Zukunft vorbereiten wollen, sollten wir auch „realistische“ Prüfungen durchführen.

Am Ignaz fanden in diesem Schuljahr erstmals im Rahmen Kleiner Leistungsnachweise Open-Media-Prüfungen statt. Im Fach Latein etwa sollten die Schülerinnen und Schüler einer 10. Klasse den Auftrag eines Literaturverlages erfüllen: Für eine neue zweisprachige Ausgabe der Ars amatoria, dem berühmt-berüchtigten Liebesratgeber des römischen Dichters Ovid, sollte der Buchumschlag entworfen werden, mit jeweils einem geeignetem Bild vorne und hinten, einem für die Zielgruppe ansprechenden Untertitel, einer passenden Inhaltsangabe und einem kurzen Auszug mit Übersetzung sowie Hinweisen zur Übersetzung: 90 Minuten Zeit, Arbeitsplatz frei wählbar (Bibliothek, Lernatelier, Lernlounges, oder Klassenzimmer), Kommunikation sowie Nutzung von iPad mit Zugang zu Internet und KI-Tools erlaubt.

Die Aufgabe war vorher nicht bekannt. Aber natürlich muss man sich auch auf eine solche Prüfung vorbereiten und neben fachlichen Inhalten auch z.B. üben, wie man mit KI-Tools umgeht. Könnte sein, dass unsere Schulkinder das in ihrem Leben noch öfter tun müssen.

Udo Segerer

Workshops zur Künstlichen Intelligenz

Die sogenannte Künstliche Intelligenz wird in unserem Leben eine zunehmende Rolle spielen. Viele nutzen bereits KI-Tools wie z.B. ChatGPT oder Midjourney. Das Ignaz hat sich vorgenommen, gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern diese neue Welt zu erkunden. Alle Lehrkräfte am Ignaz besuchen in diesem Schuljahr KI-Fortbildungen. Und jede Klasse ab der 8. Jahrgangsstufe hat jetzt einen KI-Workshop bekommen. Unsere KI-Experten, Herr Fürst, Herr Hofmann, Herr Mathaus und Herr Segerer haben gemeinsam mit den Klassen diskutiert, was KI eigentlich ist, und geübt, wie man sie sinnvoll zum Lernen nutzen kann und worauf man dabei achten sollte.